Neues Strommarktdesign – Wie viel Versorgungssicherheit wollen wir?
Am 18. März 2015 diskutierten auf Einladung der Stadtwerke Kaiserslautern Experten im Kulturzentrum Kammgarn verschiedene Modelle für ein neues Strommarktdesign. Die künftige Gestaltung des Strommarktes wird jeden Stromkunden betreffen. Für die Verbraucher geht es letztendlich um Versorgungssicherheit und die damit verbundenen Kosten.
Dieses brandaktuelle Thema hält seit Monaten Politik und Energieversorger in Atem. Mit dem neuen Strommarkdesign soll eine Basis geschaffen werden, um einen ausreichend großen konventionellen Kraftwerkspark bereitzustellen. Es geht also um wirtschaftliche Fragen. Denn Investoren sind nur bereit in neue Anlagen zu investieren, wenn sie sich über den Lebenszyklus hin refinanzieren lassen.
Neustrukturierung der Energiebranche
Die Energiebranche steht vor einem umfassenden Umbruch. Herausforderungen in diesem Ausmaß gab es bislang noch nicht. Der Bezugsrahmen, in dem sich die Frage nach dem neuen Strommarktdesign stellt, ist sehr komplex. Viele Themen, die Energieversorger und Politik bewegen, spielen eine Rolle. Die Energiewende mit dem Ausstieg aus der Atomkraft ist beschlossen. Bis 2022 werden erhebliche Kapazitäten vom Netz gehen.
Erneuerbare und Konventionelle Energie am Strommarkt
Erfreulicherweise steigt der Anteil der erneuerbaren Energien. Das bringt höhere Anforderungen an Flexibilität des Strommarktes mit sich. Darüber hinaus wirkt sich der steigende Anteil der Erneuerbaren einerseits auf die Preisbildung am Strommarkt aus und lässt andererseits konventionelle Kraftwerke zunehmend unrentabel werden. Daher sinkt die Bereitschaft, in konventionelle Kraftwerke zu investieren. Durch die Liberalisierung des Energiemarktes müssen aber erstmals die Investitionen in Anlagen über den Strommarkt refinanziert werden. Hinzu kommt, dass die Kosten für konventionelle Kraftwerke deutlich gestiegen sind, während die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv gefallen sind.
Stromversorgungssicherheit schaffen
Der künftige Strommarkt muss die Basis schaffen sowohl für den Ausbau der erneuerbaren Energien als auch für die Bereitstellung von fossilen Kraftwerken und Speicherkapazitäten. Denn in Zeiten, in denen Sonne und Wind gerade mal keine oder nicht genügend Energie liefern, werden sie dringend gebraucht, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Herausforderung für Energiedienstleister
Hinter dem für den Laien sperrigen Begriff des Strommarktdesigns steht eine Reihe von großen Fragen: Wie kann die Energiewende gelingen? Wie kann sie effektiv und kostengünstig umgesetzt werden? Wie kann eine umfassende Versorgungssicherheit gewährleistet werden? Wie viel Versorgungssicherheit brauchen wir? Welchen Preis sind wir bereit, dafür zu zahlen? Was müssen wir tun, um die Akzeptanz für die Energiewende in der Bevölkerung zu erhalten?
Neues Strommarktmodell
Je nachdem wie diese Fragen beantwortet werden, kommt man zu unterschiedlichen Modellen. An der Frage, wie der Strommarkt künftig aussehen soll, daran scheiden sich die Geister. Die einen plädieren für ein staatlich gesteuertes Modell, während andere auf ein marktgeprägtes Modell setzen. Es steht also zur Diskussion, ob eine Weiterentwicklung des bestehenden Strommarktes ausreicht oder ob wir einen sogenannten Kapazitätsmarkt brauchen.
Strom-Kapazitätsmarkt
Hinter dem Begriff Kapazitätsmarkt steht die Idee, dass Energieversorgungsunternehmen nicht nur eine Vergütung für den gelieferten Strom erhalten, sondern auch für die Vorhaltung von Anlagen für den Fall, dass Sonne und Wind gerade mal keine oder nicht genügend Energie liefern. Mit welchen Mechanismen dieser Kapazitätsmarkt dann arbeiten soll, auch darüber gibt es verschiedene Vorstellungen. Beim 7. Lautrer Energieforum legten zwei Experten ihre Vorstellungen von einem Kapazitätsmarkt dar.
Dr. Felix Chr. Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut e.V. in Berlin, ging in seinem Vortrag mit dem Titel „Das Strommarktdesign der Energiewende“ der Frage nach: Wie können wir eine nachhaltige ökonomische Basis für ein regeneratives Energieversorgungssystem schaffen? Die Frage nach der Versorgungssicherheit erfordere ein neues System, denn über den bestehenden Markt könne weder der Ausbau der regenerativen Energien noch konventionellen Kraftwerke gewährleistet werden. Das Modell des „fokussierten Kapazitätsmarktes“ könne dieses System sein. Dabei setzt sich Matthes für ein schrittweises Vorgehen ein.
Christoph Kahlen, Leiter der Unternehmenskommunikation der Thüga AG München, stellte das von der Thüga-Gruppe in die Diskussion eingebrachte „Integrated-Market-Model“ gegenüber. Dieses Modell basiert auf drei Säulen. Es sieht vor, die erneuerbaren und die konventionellen Energien in einem Markt zusammenzufassen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien solle im Wettbewerb geschehen. Die dritte Säule ist der Kapazitätsmarkt. In Stunden der „dunklen Flaute“, können Kraftwerke, Speicher oder die Nachfrageflexibilität der Kunden eine Leistungsreserve bilden. Das Modell nimmt den Kunden in die Pflicht. Er soll für sich entscheiden, welches Maß an Versorgungssicherheit für ihn notwendig ist.
Weitere Informationen zum 7. Lautrer Energieforum finden Sie in unserem Online Magazin "mit ganzer energie"